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Dear Diary ...

Espace d'Art Contemporain, Paris, 1996
Kunsthalle Winterthur, 1996
Kuratorinnen Caroline Bissière, Margrit Baumann

«Dear Diary, everthing has happened so fast and furiosly that I can’t hardly believe I’m really on my way around the world»

In den zwei Räumen des Espace d'Art Contemporain Paris präsentiert der in Paris und Zürich lebende Performance- und Installationskünstler Simon Beer seine neueste Arbeit «Dear Diary: At last I've found time to use you. Everything has happened so fast and furiosly that I can hardly believe I'm really on my way around the world!».
Das Tagebuch, von welchem im Ausstellungstitel die Rede ist, wurde vom heissgeliebten Spielzeug jedes Mädchens oder von zumindest sehr vieler Mädchen der westlichen kapitalistischen Welt zu Papier gebracht: Barbie, das hellhäutige, blonde und langhaarige, elegante und reizvolle Geschöpf, gleichsam ein «objet du désir», hat das Glück, eine Weltreise gewonnen zu haben. Das «Liebe Tagebuch», ein Produkt von der Firma Mattel aus dem Jahr 1965, bestehend aus einem Begleitbuch mit tagebuchartigen Notizen von Barbie und 21 dazugehörigen View-Master-Bildern, welche die wichtigsten Stationen der grossartigen Weltreise von Barbie und ihrer Familie darstellt, ist ein «objet trouvé» von Simon Beer, das im Rahmen dieser Ausstellung zu einer begehbaren Installation inszeniert wurde.
Der rote Tepppich, als begehbare Erhöhung einer imaginierten Eminenz, dient dabei als Leitmotiv wie zugleich auch als strukturierendes Element in den Räumen des Espace d'Art Contemporain. Der erste Raum empfängt die Betrachter als leuchtendrotes Meer, in dessen Aura sie sich zu begeben haben, wollen sie das an den Wänden angebrachte Wörtermeer lesen und verstehen können. In einfacher, naiv anmutender Sprache, die zuweilen von rassistischen und kolonialistischen Tönungen gefärbt ist, schildert hier das blonde, amerikanische Plastikgeschöpf, das seinerseits die Welt aller Mädchenherzen erobert hat, seine Erlebnisse von der Eroberung des Kontinents Erde: «May 27 Cairo, Egypt. I dreamed of deserts, pyramids, and camels as we entered this ancient country. How those grumpy camels whined and groaned when the dragonman (Arab guide) shouted for them to kneel. What a bumpy but enchanting ride all the way to Giza. Clambering up the pyramid, Ken wondered how the slaves managed to pile up the huge blocks to 480 feet high on the Great Pyramid; without derricks or bulldozers!»
Der zweite, unmittelbar nachfolgende Raum ist mit einer fotografischen Bildergalerie (Cibachrom auf Aluminium) der die Welt erobernden Puppenfamilie bestückt, welche ihre pittoresken «Highlights» festhält. So wird beispielsweise in der Schweiz das Matterhorn bestiegen, in Ägypten werden die Pyramiden in Beschlag genommen, in Holland die Windmühlen bewundert und in Paris wird eine Modeschau besucht, an welcher Barbie, die Glückliche, als Mannequin gleich auch selber mitmachen darf.
Hat man sich dieses freudvolle Leben zu Gemüte genommen, so lädt schliesslich eine kreisrunde, rote Teppichfläche die Betrachter dazu ein, an einer Sitzgruppe mit Clubtisch Platz zu nehmen, um in den auf dem Tisch präsentierten Ferienprospekten zu blättern und dabei eigenen beglückenden Imaginationen und Wünschen nachgehen zu können.

Kunsthalle Winterthur, 2. Raum, Sitzgruppe mit Reiseprospekten, Fotografien ca. 50 cm unter der Decke gehängt.

C-Print auf Alluminium, 50x50 cm: «May 27 Cairo, Egypt. (…)»

Kunsthalle Winterthur, grosser Saal ausgelegt mit rotem Teppich, schwarze Folienschriften ca. 75 cm über der «normalen Hängung» angebracht. Beispielsweise: «May 27 Cairo, Egypt. I dreamed of deserts, pyramids, and camels as we entered this ancient country..»


Material:
Roter Teppich, Folienschriften,
21 Texte, 21 Fotografien (Cibachrom) auf Aluminium, Barbie World Tour 1965, Sitzgruppe, Reiseprospekte